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Schulbücher: Keimfrei und langweilig

Allein der Ruf, kontrovers zu sein, kann den Verkauf eines Schulbuchs in einem ganzen Land verhindern. Leer gehen dabei die Schüler aus, denen blutleerer, abgeschliffener Lesestoff vorgesetzt wird, während die Popkultur sie mit einer Fülle von Reizen lockt - kein Wunder, schneiden sie schulisch oft so schlecht ab , schreibt Thérèse Balduzzi in der NZZ vom 7. Dezember 2003.
Dinosaurier werden aus amerikanischen Schulbüchern und Examens-Texten ebenso verbannt wie Schneemänner, Geburtstagskuchen und Delphine. Gegen die Erwähnung von Dinosauriern wehren sich christliche Fundamentalisten, die die Evolutionslehre ablehnen. Gegen Schneemänner Feministinnen, die geschlechtsspezifische Bezeichnungen wo immer möglich zu vermeiden fordern. Statt «Snowman sollte es «Snowperson» heissen. Von Geburtstagsfeiern zu lesen, könnte bei Kindern, die nie in den Genuss solcher Festivitäten und also eines Geburtstagskuchens kommen, negative Gefühle hervorrufen.
Der Ursprung der für europäische Leser unsinnig scheinenden Zensur ist ein unbedingter Fairnessgedanke: jedes Kind des multikulturellen Landes, ob afroamerikanisch, puertorikanisch, christlich oder muslimisch, soll in Schulprüfungen die gleichen Chancen haben. Kein religiöses Vorurteil und kein ethnisches Stereotyp soll es stören und damit seine schulische Leistung beeinträchtigen. Dazu untersuchen spezielle Gremien - sogenannte «Bias and Sensitivity Review Boards» - Examens-Texte peinlichst auf jeglichen potenziellen Stolperstein und schießen damit weit übers Ziel hinaus: Nicht nur Wörter wie «Nigger», «Negro« und «Gringo» werden gestrichen, sondern auch der arme Delphin wird aus Gründen der «regionalen Benachteiligung» ins Exil geschickt. Es wird nämlich angenommen, ein Schulkind aus dem Landesinnern könnte zu Delphinen keinen Bezug herstellen und damit in Prüfungen schlechter abschneiden als ein Kind, das an der Meeresküste lebt. Dass die gleichen Kinder zum Zeitpunkt der Prüfung schon Teenager sind, die dank «Star Wars», «Free Willy», Nintendo und Internet bereits mehrmals um die Welt und ins All gereist sind, wird außer Acht gelassen. Ebenso, dass sie bereits ein gutes Dutzend Jahre in einer Welt überlebt haben, in der kulturelle Unterschiede oft unsanft aufeinander prallen.



Vor einem Jahr machte die New Yorker Mutter und Literaturwissenschafterin Jeanne Heifetz Schlagzeilen, nachdem sie sich die Texte des «Regents English Exam», das im Staat New York zum Abschluss der Highschool gehört, genau angeschaut hatte. Ihr war aufgefallen, dass in einem Auszug aus Isaac Bashevis Singers Memoiren, der darin seine Jugend als Jude in Polen beschreibt, jegliche Anspielungen auf Juden und Polen fehlen. In einem Text aus Annie Dillards Autobiografie wurden alle Anspielungen auf Rassenunterschiede gestrichen. Dies, obwohl ihre Erlebnisse als einziges weißes Kind in einem schwarzen Stadtviertel darin eine zentrale Rolle spielen. Es kam zum Skandal. Zuvor war diese Praxis sowohl den Autoren wie der breiteren Öffentlichkeit völlig unbekannt gewesen.

«Das ist so unbekannt wie verbreitet», sagt die Autorin Diane Ravitch. Nicht nur Prüfungstexte werden nämlich von Bezügen auf Religion, Ethnie, Alkohol, Sex und selbst von harmlosen Flüchen gesäubert, sondern - weit schlimmer - auch die Schulbücher, aus denen die Kinder lernen sollen. Als Professorin für Erziehungsgeschichte an der New York University hat Ravitch sowohl die Regierung von George Bush wie die von Bill Clinton beraten und mehrere Bücher über das Erziehungswesen geschrieben. In ihrem neusten Buch, «The Language Police», beschreibt sie, wie arg es um die Zensur von Schulmaterial steht: Märchen sind «out», weil sie entweder passive Prinzessinnen (sexistisch!) oder Hexen und Zauberer (unchristlich!) enthalten. Mark Twain, Franz Kafka, Aldous Huxley und Anton Tschechow werden Teenagern nicht unbearbeitet zugemutet. Und in Illustrationen muss stets auf einen ausgewogenen Mix von Minderheiten geachtet werden.

Während eine zeitgemäße Rollenverteilung unter den Geschlechtern und die Integration von Minderheiten in Schulbüchern löbliche Ziele sind, gehen die Zensurgremien so weit, dass Geschichtsklitterung entsteht: «Wie sollen heutzutage Mädchen verstehen, was für eine Errungenschaft die Emanzipation der Frauen ist, wenn die amerikanische Siedlergeschichte mit geschlechtsneutralen Texten erzählt wird und die Illustrationen Frauen beim Wagenstossen zeigen?», fragt Ravitch. Noch erstaunlicher als diese Beispiele ist ihre Schilderung der Hintergründe, die das Sprachverbot mit verursachen: Fast alle Schulbücher werden in Amerika lediglich von vier Verlagen hergestellt. Diese richten ihr Augenmerk stark auf Texas und Kalifornien, wo nicht einzelne Schulbezirke, sondern staatliche Komitees das Lehrmaterial für den ganzen Staat auswählen. Protestgruppen von links bis rechts und Repräsentanten ethnischer Minderheiten nutzen diese Gelegenheit dazu, ihre Ansprüche geltend zu machen. Da die Herstellung von Lehrbüchern sehr teuer ist, sind die Verlage dazu übergegangen, alle möglichen Einwände vorwegzunehmen, um in ihren Produkten jegliche Angriffsfläche auszuschalten. Denn allein der Ruf, kontrovers zu sein, kann den Verkauf eines Buchs im ganzen Land verhindern. Leer gehen dabei die Schüler aus, denen blutleerer, abgeschliffener Lesestoff vorgesetzt wird, während die Popkultur sie mit einer Fülle von Reizen lockt - kein Wunder, schneiden sie schulisch oft so schlecht ab.

Nach NZZ 7.12.03



Europa, hast du es besser?

In Amerika werden Schulbücher von einer Sprachpolizei gesäubert. Und der Kommerz entscheidet über den Inhalt der Schulbücher. Welches Verhältnis haben wir Europäer zu unseren Schulbüchern? Könnte es sein, dass in Italien Silvio Berlusconi die Lehrmittel vor der Einführung begutachtet? Dass in Paris irgendeine Académie aus Notablen die Texte nach Wörtern wie walkman durchkämmt (um das horrible Wort durch das noch horriblere baladeur zu ersetzen)? Oder dass in England eine von den Kommunen bestellte Elternkommission berät, was gut für die Kinder sein könnte („No sex please, we’re British“). In meinem Kanton Bern hat zwar jede Gemeinde ihr eigenes Schulsystem, dafür wird überall mit dem gleichen Englischbuch unterrichtet, das von Spanien über die Türkei und Tschechien bis nach Schweden verwendet wird (also einen riesigen Markt abdeckt) Ob es nun dermaßen zweckmäßig ist, wie es seine Verbreitung vermuten lässt, dazu sollte man einmal die Mütter und Väter befragen, die ihren Kindern bei den Englisch-Hausaufgaben helfen...



Liebe Besucherin, lieber Besucher meiner Homepage. Studieren Sie zufälligerweise Pädagogik? Das wäre doch ein Thema für Ihre Diplom- oder Lizentiatsarbeit: Wer wählt bei uns nach welchen Kriterien und Gesetzmäßigkeiten die Schulbücher aus.



Oder sind Sie etwa Englischlehrerin oder -lehrer? Und werten Sie das Lehrwerk, mit dem Sie arbeiten müssen, nur suboptimal? Dann finden Sie auf „Mittelschulvorbereitung“ eine riesige Auswahl von fotokopierbarem Material, mit dem Sie und Ihre Klasse zweckmäßig und zielgerichtet arbeiten können. Und wenn Ihnen nach dem Bezug des teuren offiziellen Lehrmittels noch eine ganz kleine Budgetrestanz bleibt, kaufen Sie doch die „CD-Rom MSVE“. Dort sind (neben den Lösungen) die Arbeitsblätter auch im leicht bearbeitbaren Word-Format vorhanden - und Sie können für ganz wenig Geld effizient und zielgerichtet arbeiten, die Arbeitsblätter für ihre Zwecke umschreiben, mit eigenem Material ergänzen und so mit vernünftigem Aufwand Ihr persönliches und auf Ihre Schüler zugeschnittenes Lehrwerk erschaffen.





www.mittelschulvorbereitung.ch/english

Lorenz Derungs



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